SPD Kreisverband Heidenheim

 

Zum Tode von Siegfried Pommerenke, * 12.10.1933 + 09.04.2016

Veröffentlicht in Nachruf


Siegfried Pommerenke

Siegfried Pommerenke, der ehemalige Landtagsabgeordnete der SPD aus dem Wahlkreis Heidenheim, ist am 9. April 2016 verstorben. Pfarrer Kurt Wehrmeister, ein Weggefährte und Freund von Siegfried Pommerenke, hat ihn im Rahmen einer privaten Trauerfeier auf dem Heidenheimer Waldfriedhof beerdigt. Kurt Wehrmeister ist Sozialdemokrat und auch für die SPD hat er Worte zum Tode von Siegfried Pommerenke gefunden. Hier sind seine Botschaft:

(…) „Am 12. Oktober 1933, im Jahr der nationalsozialistischen Machtergreifung durch den unseligen Mann aus Österreich, wurde Siegfried seinen Eltern Wilhelm und Anna Pommerenke als deren viertes von 5 Kindern geboren, eine Schwester hat er gehabt und drei Brüder, von denen jetzt allein der Alfred noch lebt. In der Heidenheimer Oststadt, in der Lessingstr. 31 aufgewachsen, hat er nach der Schule Möbelschreiner beim Müller gelernt, und als der bankrott gemacht hat, hat er als Dreher beim Voith angefangen – und das war der Beginn eines langen Weges, auf dem der Siegfried in den kommenden Jahrzehnten immer weiter und weiter voran gegangen ist. Es muss ihm da etwas im Blut gelegen haben, was er in der Folgezeit auch ganz konsequent ausgelebt hat.

Zuerst einmal aber war da der 15. Juni 1956, an dem ihr beide, liebe Hildegard geheiratet habt und habt dann im Laufe der Jahre mit der Margit, dem Jürgen und dem Bernd drei Kinder bekommen, und später schließlich mit der Sara auch noch eine Enkeltochter. Zurück zum Voith, wo der Siegfried dann Betriebsrat und zugleich Vorsitzender dieses Gremiums wurde, und ich kann mir schon vorstellen, wie beharrlich und auch erfolgreich er die Interessen seiner Kollegen gegenüber der Geschäftsführung vertreten hat. Übrigens war er später auch Mitglied im Aufsichtsrat der Firma Voith.

Im Jahr 1965 wurde er für die SPD in den Gemeinderat und in den Kreistag gewählt und gehörte für die SPD Kreistagsfraktion auch dem Regionalverband an. Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat war nach dem Ausscheiden von Emil Martin zunächst noch Richard Nicoletti, aber auch sein Nachfolger Heinz Martin war schon dabei und weiter noch waren Fritz Lochstampfer, Roland Rieger, Ernst Bader, Heinrich Schroeder seine Kollegen, nicht zuletzt auch Steffi Müller und Marthel Schulz.

Schon ein Jahr später wurde er im Jahr 1966 zum Ersten Bevollmächtigter der IG Metall Heidenheim und zum Mitglied der Tarif- und Verhandlungskommission in Nordwürttemberg/Nordbaden gewählt. Im selben Jahr 1966 trat er – und das sicher nicht von ungefähr - in die SPD ein, denn da hatte Willy Brand als Parteivorsitzender seit 1964 für eine zunehmende Attraktivität der SPD gesorgt  - und es folgten schließlich mit seiner und anschließend mit Helmut  Schmids Bundeskanzlerschaft von 1969 bis 74 bzw.1974-82 und mit der damit verbundenen Regierungsverantwortung viele Jahre sozialdemokratischer Dominanz in Deutschland. Noch größere politische Verantwortung übernahm Siegfried, als er von 1977 bis 1982 für die SPD dem baden-württembergischen Landtag angehörte, und das in den Jahren einer zunächst noch von Hans Filbinger und nach dessen unrühmlichen Abgang von Lothar Späth geführten CDU-Alleinregierung.

Die letzte Etappe seines Berufsweges begann für Siegfried, als er 1982 zum Landesvorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes  gewählt wurde – und damit übrigens ein weiteres Mal in eine Nachfolge seines im Jahr 1995 mit 74 Jahren viel zu früh verstorbenen Parteigenossen Eugen Loderer antrat. Der war in den fünfziger Jahren auch einmal Erster Bevollmächtigter der IG Metall Heidenheim und Stadtrat sowie von 1963 bis 1968 DGB – Landesvorsitzender gewesen, bevor er 1972 Vorsitzender der IG Metall Deutschlands und anschließend Präsident des Internationalen Metallgewerkschaftsbundes wurde. Als Siegfried schließlich 16 Jahre später 1998 in den Ruhestand ging, tat er das als einer der  bedeutendsten Sozialdemokraten in der Geschichte unserer Stadt, der sich in beispielhaft vielfacher Weise für die Grundwerte der SPD, für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität eingesetzt hat –  und das nicht zuletzt auch in der Friedenbewegung.

Für Euch beide, liebe Hildegard, begann nun ein völlig neuer Lebensabschnitt, in dem zum ersten Mal seit Jahrzehnten das Privatleben die Hauptrolle spielte. Wie warst Du auch bis dahin immer die Ehefrau gewesen, die darauf wartete, dass ihr Mann mal wieder nach Hause kam und den Kopf für etwas anderes als berufliche und politische Probleme und mit damit verbundenem Ärger frei hatte – und dann war da ja auch noch der mit seiner Tätigkeit als Landesvorsitzender verbundene Umzug nach Bietigheim-Bissingen gewesen. Jetzt hattet ihr endlich wirklich Zeit füreinander, zumal Siegfried sich ja auch gänzlich aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen hat und nur die DGB-Veranstaltung am 1.Mai war ihm wirklich noch wichtig. Anfangs habt Ihr die neu gewonnene Freiheit gelegentlich noch für gemeinsame Reisen genutzt, und - ich weiß, bis fast zuletzt seid Ihr viel und gerne zu Fuß unterwegs gewesen.

Vor ein paar Jahren begann es dann mit Siegfrieds Parkinson-Erkrankung und zuletzt wohl auch mit einer Demenz. Aber noch immer war doch das gemeinsame Leben erträglich, war gut, auch wenn nicht immer angenehm – und das bis zu diesem Unglücksmontag am 29. Februar, als der Siegfried nach einem Sturz bei Euch zu Hause ins Klinikum, anschließend in die Reha nach Giengen, nach einem weiteren Sturz erneut ins Klinikum und schließlich am 21.März ins Haus der Pflege kam, jetzt körperlich und geistig gänzlich hinfällig. Als ich nach meinem Besuch bei Dir am 7.April bei ihm war, war ich zutiefst erschrocken und betroffen – und hab mir im Herzen für ihn und auch für dich, liebe Hildegard, gewünscht, dass er bald erlöst wird. Und so ist es dann ja auch auf wundersame Weise geschehen, als Du zwei Tage später am Samstag-Vormittag bei ihm warst.

„Ich will mein Haus nicht bewohnen, ich will meine Augen nicht schließen, ich ruhe nicht, keinen Augenblick, bis ich gefunden habe einen Ort, wo die Toten leben, eine Stelle, wo Recht widerfährt  den Ausgestoßenen der Erde.“  Ich glaube, daß diese Worte auch Siegfried gefallen hätten, sind sie doch von demselben Geist beseelt, von derselben Sehnsucht und Hoffnung erfüllt wie die Worte des Liedes, das er im Laufe seines Lebens sicher nicht nur am 1.Mai gesungen hat: „Brüder zur Sonne zur Freiheit, Brüder zum Lichte empor! Hell aus dem dunklen Vergangenen, leuchtet die Zukunft hervor. Seht, wie der Zug der Millionen endlos aus Nächtigen quillt! Bis euer Sehnsucht Verlangen Himmel und Nacht überschwillt!“ (…)

 

 
 

Andreas Stoch MdL

 

Leni Breymaier MdB

 

Mitglied werden

 

Jusos Heidenheim

 

Spenden

 

Auf Facebook